Unseriöses Jobangebot

19. Juli 2010 | 93 x gelesen.

Das ich seit letztem Winter mehr oder weniger auf Jobsuche war, hatte sich ja schon bei einigen unserer Kunden herumgesprochen. Das LKW fahren brachte mir auch immer weniger Spaß und der Stress nahm krisenbedingt weiterhin zu. Also hab ich mich langsam darangemacht, mich in anderen Jobsparten umzusehen, die nicht so stark von der Krise betroffen sind. Irgendwann schickte mich mein damaliger Fuhrunternehmer zum LKW beladen zu einem Unternehmen in Harrislee, was mit Holzpallets für den Privatgebrauch handelt. Deren Hauptgeschäft ist  wohl hauptsächlich der Weiterhandel von Holzpallets und Holzbriketts an dänische Kunden und einige andere Kleinigkeiten wie Trampoline usw. Der Handel mit Ökobrennstoffen in Deutschland ist sehr beliebt bei den dänischen Nachbaren, weil bei uns in Deutschland nur 7% Mehrwertsteuer auf den Waren sind und nicht wie in Dänemark 25%.

Allerdings dürfen Deutsche diese Waren in Dänemark nicht frei Haus anbieten. Was aber trotzdem mehr oder weniger gerne gemacht wird. Nervig für LKW Fahrer ist dabei, das das Transportentgeld direkt und meist in Bar beim Endkunden kassiert werden muß. Theoretisch müsste auch der Endkunde, der den Transport vom Lager in Deutschland zu seiner Privatadresse selbst organisieren und nicht dem Verkäufer überlassen. Und zum Schutz der dänischen Wirtschaft dürfen diese Transporte nur von dänischen Unternehmen mit dänischen Fahrzeugen durchgeführt werden. Wie die gängige Praxis hierbei ist, darauf möchte ich lieber nicht näher eingehen. Oftmals sind das Kunden, die wirklich am Arsch der Welt wohnen, und eine Anfahrt gerne mal 2 Kilometer vom Entladeort entfernt ist. Dafür haben wir ja den Mitbringgabelstapler am Fahrzeug hängen. Aber diverse Kilometer auf dem offenen überlauten Arbeitsgerät sind gerade bei Regen, Hitze und Staub oder wie oft im letzten Winter bei Schneetreiben alles andere als ein Vergnügen. Da einige Kunden ja bis zu 10 Paletten bestellen, sitzt man teilweise stundenlang auf dem Gabelstapler. Auch das Befahren von unbefestigten Wegen und Waldgebieten auf der ungefederten Maschine machen es nicht besser.

Irgendwann hat der Chef dieser Firma in Harrislee mich beiseite genommen und mir ein prima Jobangebot unterbreitet. Ich sollte mich mit um die Anschaffung eines geeigneten Fahrzeuges kümmern und anschließend mit diesem Fahrzeug quasi als Disponent / Tourenplaner und Fahrer im Werksverkehr seine Kunden beliefern und dementsprechend das Transportgeld und teilweise auch das Geld für die Ware kassieren. Er hat mir sogar den in Dänemark üblichen Lohn von um die 2500 Euro netto geboten, was wiederum überdurchschnittlich viel ist hier im nördlichen Schleswig-Holstein und das machte mich dann stutzig. Gut, zu dem Zeitpunkt hatte ich fast 22 Jahre Berufserfahrung in Transport und Logistik zu bieten, bin gesund, flexibel, körperlich fit und spreche fließend einige skandinavische Sprachen………… aber trotzdem erschien mir das Angebot merkwürdig. So merkwürdig, das ich anfing mir einige Informationen über die Firma einzuholen, welche in früherer Vergangenheit wohl von Tod und Pleiten begleitet wurden und obendrein die Strukturen des Onlinehandels nicht wirklich nachzuvollziehen sind. Auch die sehr tollen Zusagen seitens des Chefs konnten nicht mit rechten Dingen zugehen.

Der Hammer kam, als man mich mehrfach nach meiner “Mitgift” fragte. Ich verstand zunächst nicht, was die mit “Mitgift” meinten und was die von mir wollten war mir auch egal. Eine Woche später sollte ich mehrere Touren für diesen Kunden fahren, das passte mir prima. So bekam ich gleich einen besseren Einblick in die ganze Sache dort und was ich sah erschreckte mich. Planung und Disposition waren ein Gräuel, aber immer noch besser als das Lager und das Betriebsklima. Kopfschüttelnd verrichtete ich so gut wie möglich meine Arbeit, welche aber von Seiten aus Harrislee doch deutlich erschwert wurde, da mein Chef und die Herrschaften sich nicht richtig verstanden und wohl einander auch misstrauten und ich… ich saß in erster Reihe zwischen den Stühlen. Super, wie ich sowas hasse. Dann wurde es auch sehr konkret aus Harisslee, und man teilte mir mit, das man von mir als “Mitgift” eine Liste mit Kundenadressen und Telefonnummern von Endverbraucher aus Dänemark wünscht. Die müsste ich ja wohl haben oder zumindest jedenfalls die Kenntnis von potenziellen Kunden haben, da ich ja schon jahrelang Privatkunden anderer Pelletslieferanten und Hersteller aus Dänemark beliefere. Die hatten oder haben immer noch die klasse Idee potenzielle Kunden per Telefon zu belästigen, -  ähhh ich meinte natürlich zu informieren. Ab diesem Moment an war mir dann alles klar, so das ich auch die Transporte für diese Firma bei meinem Chef verweigerte. Ich bin eh der festen Ansicht, das man beim Handeln in Ribe oder Kolding deutlich mehr Service und bessere Qualität bekommt.

  1. Bin ich loyal gegenüber meinen Chefs (Lohnzahler) und seinen Kunden gegenüber.
  2. Auf Mafiamethoden steh ich genauso wenig wie auf agressive Vermarktung.
  3. Habe noch nie mit Adressen anderer gehandelt und werde das auch nie machen.
  4. Wussten ziemlich viele unsere Kunden, das wir auch für Konkurrenten fahren, aber über die Art, Menge und ähnliches wurde nie gesprochen oder gefragt.
  5. Kann ich es auch nicht ab, wenn bei mir privat Telefonverkäufer oder Meinungsumfragedödels anrufen und mich nerven.
  6. War ich so verärgert über das verlangte, das ich dänischen Konkurrenten über die Gepflogenheiten im Grenzhandel mal Informierte (wurde auch Interessiert angenommen).
  7. Bin ich keine Nutte

Das ganze ist jetzt ca. 7 Monaten her und die seriöse Firma in Harrislee hat immer noch keinen eigenen LKW. Komisch nicht?

1 Kommentar zu “Unseriöses Jobangebot”

  1. klaus am 30. Juli 2010 um 23:14 Uhr

    Huch, das sind ja erschreckende Einsichten in das Geschäft mit Holzbriketts und Holzpellets. Wie immer, wo es um Geld geht, sind auch schwarze Schafe unterwegs.

    Gruss
    Klaus

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